Bildungszentrum Bodnegg


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Andreas Pröbe

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Ein Rollstuhl voller Lebenskraft: Andreas Pröve, der Weltenbummler

Eine Energie verströmt Andreas Pröve, die scheint schier unerschöpflich. Fröhlich, unterhaltsam ist er dazu. Seine Erzählweise über seine Reisen durch Indien ist unglaublich abwechslungsreich. Seine Fotos mehr als beeindruckend. Na gut, könnte man sagen, noch einer der vielen Globetrotter, Weltreisenden, die mit ihren Bildern Vorträge und Bücher füllen, um damit einen Teil ihrer manchmal verrückten Reisen zu finanzieren. Andreas Pröve verkörpert alle diese Attribute und ist dennoch eine ganz andere Art von Weltreisender: Er geht keinen Meter zu Fuß! Dennoch erzählt er von einer Reise an Indiens heiligem Fluss Ganges, von der Mündung bis zum Ursprungsgletscher, von einer Reise - im Rollstuhl! Andreas Pröve ist seit 30 Jahren querschnittsgelähmt. Ein Motorradunfall, erzählt er fast beiläufig, habe ihm die Lähmung eingebracht. Pröve lebt mit seiner Familie, Frau und Kindern, im niedersächsischen Wathlingen. Von dort aus bricht er auf, die Welt zu erobern. "Das geht, wenn man nur will!" Seinen Rollstuhl hat er dafür mit viel Tüftelei und Geschick "angepasst" an die Reisen: "Um die Räder notfalls reparieren zu können, habe ich mir den Rollstuhl mit einer "Erfindung" so umgebaut, dass ich die Räder von der Achse ziehen konnte, ohne aus dem Rollstuhl klettern zu müssen: Ich habe einfach einen "Wagenheber" eingebaut. Diese Konstruktion habe ich mir sogar patentieren lassen. "

Kürzlich erst brachte Andreas Pröve die Schüler des Bildungszentrums Bodnegg zum Staunen. Selten erlebte man sie, dicht gedrängt in der Aula, fast mucksmäuschenstill. Sie lauschten ganz intensiv den Erzählungen von Andreas Pröve, der durch die Mithilfe von Walter Joos, Lehrer am BZ Bodnegg, an die Schule geholt werden konnte. Das Staunen nahm fast kein Ende: Zwei Stunden lang erzählte Pröve von Indien, von gigantischen Landschaften, vom Leben am heiligen Fluss Ganges, von den Menschen in ihrem schieren Reichtum und gleich daneben in ungeahnter Armut, von Heiligen Männern und gastfreundlichen Bauern, von der wirtschaftlichen Aufbruchstimmung im Lande und vom dennoch streng-konservativen Denken und Handeln der Inder.

"Ich will den Ursprung des Ganges sehen!" lautete das Ziel dieser 14. Reise. Ob er das wohl schaffte? Die Frage hing den gesamten Vortrag über im Raum. Andreas Pröve ließ die Frage auch offen, bis dann doch schließlich die Katze aus dem Sack schlüpfte: Andreas Pröve war tatsächlich am Ziel angekommen. Die Strapazen und Gefahren tief im Gebirge hatte er so fesselnd erzählt, dass den Zuhörern so mancher Schauer über den Rücken lief. Nichts ist erfunden, alles belegt durch Fotos, die bis ins Detail zeigten, wie Andreas Pröve sein verrücktes Ziel erreichte: Für seinen langen Anmarsch hatte er sich in Indien rechtzeitig mit allem versorgt, was man als guter "Bergwanderer" im Gebirge braucht, um kalte Nächte und schlechtes Wetter durchzustehen. Zugleich heuerte Pröve etliche Sherpas an, Träger für die Ausrüstung, den Rollstuhl und - ihn selbst. Nach langem Anmarsch ging bald nichts mehr, je höher der Trupp mit Pröve stieg. Wie sollten die Träger und Pröve 4000 Meter erreichen, um zum Gangesursprung zu kommen? Straßen? Die waren bald zu Ende, zwischendurch öfter verschüttet durch Bergrutsche. Die Sherpas kletterten mühsam drüber hinweg, stets Pröve auf dem Rücken, Gepäck und Rollstuhl ebenso. Schließlich mündeten die "Wege" irgendwo im Berg in Saumpfade von atemberaubender Schmalheit. Wer das nicht glaubt, muss Pröves Fotos ansehen: Kein vernünftiger Mensch, und schon gar keiner mit zwei gesunden Beinen, traute sich wohl so etwas zu. Die Schüler erschauerten, als sie "das" Foto sahen. Pröve hatte seinen Rollstuhl irgendwo weiter unten zurücklassen müssen. Mit Hilfe zweier Stangen wurde seine Rollstuhlsitzfläche in eine "Sänfte" umgebaut und weiter ging's den Himalaja hinauf. Dann war Ende! Mitten im Hang fand sich die Gruppe. Nun war guter Rat teuer. Beratung: "Wir kehren um! Nein, wir tragen Dich bis zum Ziel! Da drüben geht der Pfad weiter! Diese Stelle hier werden wir schon meistern..."

Pröve hatte tatsächlich ein mehr als mulmiges Gefühl. Schließlich siegten sein Wille und das Vertrauen in den Sherpa, der ihn auf dem Rücken huckepack tragen musste. Der Steilhang war lebensgefährlich für alle; Stunden brachten die Männer damit zu, diese Stelle für einen Übergang zu präparieren, um "dort drüben" den mehr oder weniger "guten Pfad" wieder zu erreichen. Während des Durchstiegs hing Pröve mehr über dem Abgrund als auf dem Rücken seines Trägers. Ein kleiner Fehltritt, ein kleiner Ausrutscher - der Absturz in hunderte Meter Tiefe wäre der sichere Tod gewesen. Dem blickten wohl alle Männer dort oben ins Auge. Doch der Glaube an das Gelingen versetzt tatsächlich Berge und bringt das Ziel näher: Ein paar Tage noch und dann staunte der Europäer ebenso ergriffen wie seine indischen Helfer den Gletscher an, aus dem der heilige Ganges entspringt! Die Fotos hat Pröve freilich an den "Tragstellen" nicht auch noch selber gemacht. Aber er hat zumindest die entsprechende Anweisung gegeben und seine Helfer so instruiert, dass gute Fotos dabei herauskamen, überzeugende, unglaubliche Fotos.

Fröhlich plauderte Andreas Pröve am Ende seines Vortrages noch mit den Schülern, genoss deren herzlichen Applaus und beantwortete geduldig die vielen Fragen der jungen Leute. Seine nächstes Reiseziel habe er schon fest im Blick: Tibet. Wer mehr wissen möchte über Andreas Pröve und seine verrückt-imponierenden Reisen im Rollstuhl und über seine Bücher, der schaue ins Internet unter www.proeve.com.

Text und Fotos: (stb)

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