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Jörg Baldauf

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Jörg Baldauf, ein Olympionike, besuchte das BZ Bodnegg

"Ich habe einen Verwandten, der bei den Paralympics mitmacht. Der macht Biathlon." Alexander aus der Klasse 7 c war auf Zack, als er und seine Klasse im Englischunterricht über die Olympischen Spiele der behinderten Sportler arbeiten sollten. Christiane Stalschus, seine Englischlehrerin, hakte nach: "Meinst Du, wir könnten den zu uns einladen?" Dann ging alles rasch und reibungslos. Alexanders Mutter nahm Verbindung auf zu Jörg Baldauf in Isny und der stand schließlich vergangene Woche in der Klasse 7 c. Er kam aber nicht etwa im Anzug, nein, er präsentierte sich so, wie er als Olympionike und Staffelweltmeister von 2003 im Biathlon antritt: Sportanzug, ausgestattet mit den Langlaufstöcken und verschiedenen Langlaufbrettern und - mit seinem Luftgewehr, das beim Wettkampf zum Einsatz kommt.

Die Schüler der 7 c waren sogleich gefangen. Jörg Baldauf sprach völlig sachlich und erklärend über seine Behinderung: 1990, mit knapp 23 Jahren, hatte er einen schrecklichen Autounfall überlebt und fand erst in der Klinik wieder zu sich. Doch das Ergebnis der Ärzte war nicht sonderlich hoffnungsvoll. Jörg Baldauf war so schwer verletzt, dass eine Wiederherstellung seiner Bewegungsfähigkeit sehr fraglich war. Der junge Mann von damals endete schließlich zunächst einmal im Rollstuhl. Doch Jörg Baldauf war ein Kämpfer! Jetzt kam es ihm nur darauf an, wieder auf die Beine zu kommen. Drei Jahre dauerte der Kampf. "Wenn andere Verletzte während der Rehabilitation zum Kaffeetrinken gingen, legte ich eine Sonderschicht Training ein. Ich wollte wieder auf die Bretter und Langlauf machen, wie vorher!" Die Ärzte hatten ihm auch zugesprochen und gesagt: "Weil du schon immer ein sportlicher Mann warst, kannst du es schaffen!" Jörg Baldauf hat es geschafft und wurde eines Tages von Frank Höfle aus Isny angesprochen. Der behinderte Sportler sorgte dafür, dass Baldauf drei Wochen lang mit der Nationalmannschaft ins Trainingslager nach Norwegen mitfahren durfte. Von da an gehörte er dazu! Biathlon ist seine Disziplin, die er trotz der Einschränkungen betreiben kann.



Baldaufs linker Arm ist seit dem Unfall nur noch teilweise einsatzfähig, erklärte er den Schülern und demonstrierte dies auch. Dass sein rechter Fuß ebenfalls Einschränkungen hat, wurde erst 1997 als Behinderung anerkannt. "Warum haben Sie zwei verschieden lange Stöcke?", wollte ein Mädchen wissen. "Das hängt mit meinem linken Arm zusammen. Um dessen begrenzte Kraft besser einsetzen zu können, musste ich meine Ausrüstung anpassen, ähnlich ist es mit den Schuhen und Skiern für meinen rechten Fuß", erklärte Jörg Baldauf. Im Sommer sähe man im Training mit den Rollskiern genau, wie sich seine Beinbehinderung auswirkt: Der linke Roller weist hohen Abrieb auf, der rechte weniger.

All das spornt den Sportler, der offiziell beim Zoll arbeitet, nur weiter an. Er trainiert fleißig und stellt sich auch anderen behinderten Langläufern als Trainingspartner zur Verfügung, zum Beispiel als Begleitläufer für blinde und sehbehinderte Biathleten. In diesem Zusammenhang erklärte Baldauf, dass es bei den Paralympics, den Olympischen Spielen für Behinderte, oder bei den Weltmeisterschaften drei Gruppen von Behinderten gibt: Sehbehinderte und Blinde, die zweite Gruppe sind jene Sportler, die eigentlich im Rollstuhl sitzen, diese fahren dann auf einer Art Schlitten Biathlon; zur dritten Gruppe gehört Baldauf selbst. Diese Sportler können auf den eigenen Beinen stehen. Allerdings werden die drei Gruppen in sich selbst nochmals nach Behindertengraden differenziert, um so bei Wettkämpfen möglichst gleiche Chancen zu gewährleisten.

Als Jörg Baldauf dann gefragt wurde, wie das denn beim Schießen sei, packte dieser zunächst wortlos eine längliche Tasche aus. In der Hand hielt er ein Luftdruckgewehr, das so konstruiert ist, dass es die Kugeln per Luftdruck automatisch nachlädt. "Allerdings", so erklärte der Olympionike, "tragen wir das Gewehr während des Laufens nicht mit, es wird am Schießstand abgelegt und kommt dann zum Einsatz, wenn wir unsere Runden entsprechend gelaufen sind. Weil ich eine Armbehinderung habe, darf ich das Gewehr auflegen. Andere mit gesunden Armen dürfen das nicht." Dass ein Biathlet sogar rund zwanzig Paar "Bretter" mitnehmen muss, erstaunte die Schüler. "Ob Kunstschnee, Pappschnee, Pulverschnee - für jede Variante müssen wir gerüstet sein", sagte der Sportler. Das hängt auch mit der Kunst des Wachsens zusammen und wie der Schnee das Wachs abreibt. "Kunstschnee zum Beispiel ist ganz aggressiv", erzählte der Langläufer.



Natürlich wollten die Schüler noch etwas über die Erfolge hören: Die kann man hier gar nicht alle aufzählen. Seitenlang hat Jörg Baldauf aufgeführt, was er seit Beginn seiner Laufbahn bei den behinderten Sportlern geleistet hat. Zu den ganz großen Erfolgen gehören seine Starts 2002 und 2004 bei den Paralympics, wo er in der Kurzstrecke einmal Zwölfter und einmal Vierter wurde. 2009 kam Baldauf bei der Weltmeisterschaft in Finnland im "Diagonal-Langlauf" auf Platz sieben und im Skating auf Platz 16. Durch seinen Sport kommt er viel herum in der Welt, erfährt man aus seiner Erfolgsliste: Japan, Grans Montana, Schweden, Salt Lake City, Kanada… "Übrigens, die blinde Verena Becker aus Tettnang gehört ebenfalls zu unserem Nationalteam."

Das war eine interessante Stunde, meinte ein Mädchen später. Alexander sagte rückblickend: "Es war gut, dass Jörg Baldauf da war. Ein Deutscher bei den Paralympics und dann im Unterricht, das war schon was!" Ricardo fand den Besuch ebenfalls sehr interessant: "Es war toll, dass er sich die Zeit genommen hat. Jetzt kann ich mir alles viel besser vorstellen. Gut dass er seine Ausrüstung mitgebracht hatte. Mich beeindruckt, wie sich der Sportler aus seiner Behinderung herausgekämpft hat." Sarah und Alina waren sich einig: "Die Demo mit dem Luftgewehr war interessant. Dass der Jörg Sport macht, obwohl er eine Behinderung hat, finden wir toll. Wir bewundern ihn, weil wir es uns nur schwer vorstellen konnten, wie er sich so ins Leben zurückgekämpft hat." Danja meinte, die Erklärungen über den Sport von Behinderten seien interessant gewesen, "das war mal ein ganz anderer Unterricht!" Marie findet es toll, dass Jörg Baldauf trotz seiner Behinderung mit seinem Bruder ein Haus gebaut hat. Und Anna-Lisa ist auch beeindruckt: "Wie er sich vom Autounfall wieder erholt hat und sich an Wettkämpfen beteiligen kann, das finde ich toll!" Selbstverständlich verteilte Jörg Baldauf am Ende der Stunde seine Autogrammkarten - eigenhändig unterschrieben, ein echter Profi eben.


Text und Fotos: (stb)


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