Bildungszentrum Bodnegg


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Lions Quest

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Lehrer lernen mit Lions Quest

Was haben der FC Bayern und das Bildungszentrum Bodnegg gemeinsam?
Einen holländischen Coach. Die Bayern haben den ihren für längere Zeit und mit dem Ziel der Deutschen Fußballmeisterschaft. Die Lehrer der Bodnegger Schule, verstärkt durch Kollegen aus dem KBZO Weingarten und der Realschule Ravensburg, hatten mit Fré Steen drei Tage lang einen Coach mit dem Ziel, ihre Fähigkeiten im Umgang mit Schülern weiter zu fördern.

Fré Steen, der Holländer, ist Trainer für Schule und Industrie und steht in Diensten des Lions Clubs als sogenannter "Lions Quest Trainer". Dahinter verbirgt sich zum Beispiel die Aufgabe, Lehrern neue Arbeitsformen vorzustellen und zu trainieren. Insgesamt 27 Lehrerinnen und Lehrer hörten und übten vergangene Woche im Dorfgemeinschaftshaus Bodnegg an drei Tagen, was Fré Steen anzubieten hatte: Eigenarbeit an Beispielen, Wege weg vom Frontalunterricht, Zeit nehmen für die menschlichen Aspekte im Unterricht.

Steen erklärte, im Zentrum des Interesses steht immer der Schüler. Ihm muss man Sorgen und Ängste nehmen, denn: "Wer Angst hat in der Gruppe oder in der Klasse, verliert viel Energie, weil sie drauf geht für ebendiese Sorgen der Schüler. Junge Leute sollen die Fähigkeiten erlangen, Angst und Mobbing zu überwinden und auch selbst zu vermeiden." Selbstvertrauen im Schüler wecken und fördern, das ist ein Ziel der Seminare von Lions Quest. Schüler, so sagt Fré Steen, arbeiten leichter und williger, wenn sie wissen, was sie in ihrer Zukunft machen wollen. "Also müssen Lehrer ihnen diese Zukunft immer wieder schmackhaft machen."

In Arbeitsgruppen zu Themen, mit Vortrag und Selbststudium schälten sich in den drei Tagen etliche Schwerpunkte heraus: "Ich & meine Klasse" lautete beispielsweise ein Schwerpunkt. Das "Ich" bezog sich dabei auf den Lehrer einerseits, andererseits auf den einzelnen Schüler, je nach Perspektive. Es geht darum, dass sich eine Klasse besser zusammenfindet, wenn jeder vom anderen mehr weiß. "Selbstvertrauen und Umgang mit Gefühlen" lauteten weitere Themen. Die Arbeitsfrage hierzu: Was brauche ich, um Selbstvertrauen zu entwickeln? Wie kann die Kommunikation von Schülern untereinander verbessert werden? Antwort: Wenn gerade die Schüler lernen, die eigenen und die Gefühle der anderen anzuerkennen. "Freundschaft" ist ein wichtiges Wort für Jugendliche. "Was ist wertvoll? Wie entwickle ich eine Freundschaft? Wie bewältigen wir Konflikte, ohne die Freundschaft zu gefährden oder gar kaputt zu machen?" Fré Steen und die Lehrerinnen und Lehrer der Seminargruppe kennen viele Fälle um diese Fragen und diskutierten Lösungswege. Eine der Lehrerinnen meinte: "Wir haben davon ja viel im Studium gelernt, täglich arbeiten wir pädagogisch. Aber es hilft uns sehr, diese Fragen unseres Arbeitsalltags wieder einmal zu besprechen und vor allem aus anderem Blickwinkel sehen zu lernen." Plakate, in Gruppenarbeit entstanden, machten die Diskussionen bildlich. So zum Beispiel die Frage nach "Regeln, Rollen und Ritualen". Fré Steen legte hier Wert auf die Feststellung: "In der Klasse sind wir alle gleich, aber nicht dieselben!" Deshalb gilt es, sich an Regeln zu halten, Rituale einzuüben und Rollen auszufüllen und anzunehmen. Damit verbunden ist auch die Aufgabe für Schüler, Verantwortung zu übernehmen aber auch abzugeben. Dass Schüler oft mit den verschiedenen Rollen nicht zurecht kommen, die sie zu Hause und in der Schule "spielen müssen", spüren die Lehrer tagtäglich. Damit umzugehen war eines der Ziele des Lions Quest-Seminars in Bodnegg.

Dass junge Menschen auch lernen müssen, "Nein" zu sagen, bestimmte ebenfalls einen großen Teil der Gespräche. "Nein"-sagen hat auch mit der Vorbeugung und Bewältigung von Suchtgefahren zu tun, erklärte Seminarleiter Steen. Kinder und Jugendliche müssen lernen, eine "gesunde Wahl" zu treffen. Sie müssen "nein" sagen können. Ein Plakat verdeutlichte das: "N" = "nicht das tun, was andere tun, "E" = eigene Entscheidungen treffen; "I" = ich bin wie ich bin; "N" = "neue Wege gehen". All das stärkt das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl von Schülern.

Ganz ohne theoretisches Rüstzeug kam das Seminar mit Lions Quest nicht aus. Ein dicker Ordner mit Lehrsätzen, Beispielen, Anregungen unterstützte die Arbeit der Lehrer. Für jeden ist da etwas dabei, was ihn in besonderem Maße bei der Arbeit als Pädagoge Tag für Tag beschäftigt, denn Schule ist so vielfältig, dass drei Tage Seminar nicht ausreichen. Es bleiben also noch genügend Fragen offen, denen sich die Kolleginnen und Kollegen nun frisch und gestärkt zu Hause oder im Kreis der Kollegen widmen können.

Text und Fotos: (stb)


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