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Sucht - wie kann man vorbeugen und helfen?
Sucht im Alltag ist nicht nur ein aktuelles Thema für das Fach Deutsch an Realschulen bei der kommenden Prüfung im April. Sucht brennt vielen Menschen jeden Tag auf der Seele. Martin Wägele aus Metzingen, Gymnasiallehrer und "Sucht"-Berater des Regierungspräsidiums bzw. des Oberschulamts Tübingen, reist deshalb durch den gesamten Regierungsbezirk, um die Suchtberater aller Schularten auf die Problematik dieser "Alltagserscheinungen" immer wieder neu einzustellen. Vergangene Woche hielt er die Weiterbildung für Lehrer am Bildungszentrum Bodnegg ab. Dabei ging es Wägele darum: Warum verfallen (junge) Menschen einer Sucht? Wie erkennt man (junge) Menschen in einer solchen Notlage? Wie ist ihnen zu helfen? Angst, Scham, Aggression oder Rückzug seitens betroffener Schüler spielen dabei eine große Rolle. Wägele schilderte den Lehrern ausführlich, warum zum Beispiel Alkohol für Jugendliche wichtig ist. Auch Ess-Störungen sind im Schulalltag immer wieder bei Mädchen und Jungen feststellbar.
Schulleiterin Gabriele Rückert sagte zu Beginn der Tagung, es sei unbedingt notwendig, hinzuschauen auf die Nöte Jugendlicher. "Überall, wo viele Jugendliche zusammenkommen, muss man davon ausgehen, dass jemand jemanden kennt, der mit Drogen oder Süchten zu tun hat. In einer offenen Gesellschaft ist viel möglich!"
Weil das so ist, wirbt Martin Wägele für ein "Neues Präventionsprogramm". Prävention heißt demnach, Sucht, Gewalt und den Wunsch nach einer gesunden Schule zusammen in den Blick zu rücken. "Wir müssen Prävention so verstehen, dass wir als Erzieher der Sucht Jugendlicher oder der Gewalt durch Jugendliche zuvorkommen!" Nicht nur Alkohol, Nikotin oder Drogen, auch die Spielsucht ist für Wägele hochproblematisch. Dabei unterscheidet er zwei Ebenen: "Alles, was nicht online ist, also über das Internet bzw. am Computer läuft, nennt er terrestrische Spielsucht". Das heißt, betroffene Menschen "bewegen sich, gehen auf die Sucht zu."
Wägele zeigt einen Weg für die Schulen auf: An allen Schulen müssen Präventionsstrukturen geschaffen werden. Die Lehrer müssen sich dabei die Frage stellen: "Wie gehen wir um mit Angst, Gewalt, Sucht, Internet und Partnerschaft?" All diese Dinge hängen letztlich bei der Entstehung von Süchten zusammen. Die "Gesunde Schule" müsse gleichzeitig ein Stressmanagement zugunsten der Schüler schaffen. Das unterstütze die Gewalt- und Suchtprävention. Ein drittes Mittel der Prävention sei, die Lehrer zu schulen in der Frage: "Wie kann ich problematisches Verhalten von Schülern ändern?" Dazu gehöre u.a. eine "motivierende Gesprächsführung", die der erfahrene Suchtberater aus Metzingen ausführlich vorstellte. Wägele ist sich sicher, dass sich Schüler in Not zum Beispiel eher "anonym über E-Mail" an den Suchtberater ihrer Schule wenden, sozusagen im "Erstkontakt". Daraus könne sich dann eine Vertrauensbasis entwickeln, auf der sich ein betroffener Schüler letztlich "outen" könne. Wägele schilderte etliche eindrucksvolle Beispiele aus seiner Praxis. Er sei zu der Erkenntnis gekommen, dass "alles, was man in der Therapie "wieder lernt", eigentlich von der Prävention geleistet werden muss.
Sucht sei immer dann gegeben, wenn sich die Vorgänge im "Belohnungssystem des Gehirns verändern". Das trifft besonders auf die "legalen Suchtmittel wie Nikotin und Alkohol" zu. Hierbei stellte er an einem selbst entwickelten "Kurzschlussmodell" dar, wie Süchtigwerden "funktioniert". Wägele sagt, dass Sucht in der Regel dort entstehen kann, wo ein Mensch "vorgeschädigt ist". Martin Wägele: "Bevor ein Mensch Schwierigkeiten macht, hat er welche! Und mir liegt sehr am Herzen, dass die neue Prävention im Land Fuß fasst. Sie darf nicht über einer Schule schweben als Modell und schriftlich fixiert. Vielmehr müssen die neuen Leitgedanken beim einzelnen belasteten Schüler auch ankommen."
Text: (stb)