Bildungszentrum Bodnegg


Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


Vortrag Dr. Bauer

Aktuelles

Lebensraum Schule? Ein Vortrag von Prof. Dr. Joachim Bauer

Die Ganztagesschule ist der Favorit von Professor Dr. Joachim Bauer aus Freiburg. Das machte er bei seinem Vortrag "Schule als Lebensraum?" am vergangenen Mittwoch im Ravensburger Schwörsaal deutlich. Annährend 400 Gäste waren gekommen, um der Einladung des Bildungszentrum Bodnegg und der Stiftung Vogthaus zu folgen. Professor Bauer, der nicht nur Mediziner ist sondern auch Neurobiologe und Psychotherapeut bewegt sich in seinen Arbeiten stets "auf der Suche nach einer mit neurobiologischen Gesichtspunkten abgestimmten Pädagogik".

Zunächst aber stellte Bauer die Frage: Was ist so anstrengend an der Arbeit in der Schule? Was kostet so viel Kraft? Antwort: "Lehrer sind Schwerstarbeiter im Klassenzimmer und Beziehungsarbeit mit dem Kind schleift ab, wenn sie nicht gelingt!" Dabei sei die fachliche Ausbildung der Lehrer in Ordnung. Jedoch sei die Beziehungsarbeit ein entscheidender Faktor, für die die Lehrer nicht ausreichend ausgebildet seien. Bauer forderte hier Nachbesserung auch für Lehrer, die schon länger im Schuldienst sind.

Auf der anderen Seite steht das Kind im Mittelpunkt. Dessen "Gene sind keine Diktatoren sondern Kommunikatoren. Gene reagieren auf Signale aus der Umwelt!" sagt Professor Bauer. Erfahrungen formen also das Gehirn des Menschen im Allgemeinen und das des Kindes und Jugendlichen im Besonderen. Bauer betonte auch die sozialen Beziehungen: "Soziale Beziehungen und Emotionalität sind die Basis der intellektuellen Entwicklung!" Armut, Gewalt, fehlende soziale Anregungen seien kein guter Nährboden für eine positive Einstellung. Es gäbe keine Motivation ohne Beziehung, sagte Bauer. Der Neurobiologe erläuterte in dem Zusammenhang, dass Motivation eng verknüpft ist mit den körpereigenen Botenstoffen im Gehirn eines Menschen, nämlich Dopamin, Opioide und Oxytozin. Ersteres schaffe Energie und Leistungsbereitschaft, Opioide sind zuständig für das Wohlgefühl und Oxytozin ist die "Vertrauensdroge". Diese Dreierbeziehung stellt "das Motivationssystem des Gehirns dar" erklärte der Professor. Dabei stellte er sogleich die Frage: "Wer stimuliert das Motivationssystem eines Kindes, eines Jugendlichen, eines Schülers?" Die körpereigenen Opioide würden aktiviert


durch "gute zwischenmenschliche Beziehungen", z. B. durch hilfreiche Zuwendung. Bauer prägte dabei den Satz: "Die stärkste Droge für den Menschen ist der andere Mensch!"

Um die Motivation von Kindern und Jugendlichen aus "neurobiologischer Sicht" zu erklären, bedarf es des Zusammenspiels verschiedener Faktoren: Soziale Akzeptanz wie Beachtung und Sympathie einerseits und Bewegung und Musik andererseits. Im Nervengebilde des Gehirns eines Kindes spielen also die körpereigenen Botenstoffe eine bedeutende Rolle. Bauer sprach dabei ausdrücklich nicht von "Kuschelpädagogik". Kinder und Jugendliche verlangten auch nach Führung. Und das lässt sich mit der Ganztagesschule offenbar gut vereinbaren: "Ich rede schon lange für die Ganztagesschule! Schule ist Lebensraum, wo man gerne ist!" Deshalb dürfe die Schule neben dem Lernstoff nicht "am Sport oder Musik sparen, wenn wir eine gute Schule haben wollen."

Der Arzt und Psychotherapeut aus Freiburg erläuterte anhand zahlreicher Folien, wie Kinder und Jugendliche in und außerhalb der Schule reagieren können, wenn soziale Akzeptanz, Beachtung und Sympathie verkümmern, wenn zum Beispiel die Familiensituation "angeschlagen" ist: Die Stress-Symptome fahren hoch. Das Stress-Gen erzeugt Angst, Depression, Aggression. Kinder suchen dann gefühlsmäßig nach Lösungen und finden "Scheinlösungen": Süßigkeiten, Ess-Störungen, Suchtdrogen oder stoffungebundene Süchte wie Computer- und Spielsucht am PC. Die externen Suchtstoffe wirken negativ auf die Botenstoffe, von denen oben die Rede war.

Psychotherapeut Bauer kennt nicht nur Ursachen, er weiß auch Rat für Eltern und Erzieher: Es sei zum Beispiel äußerst wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern gemeinsam essen. Die Erwachsenen täglich darüber sprechen, welche Erlebnisse die Kinder hatten, was ihnen Freude bereitet, was sie in der Schule bewegt. Sport und Musik sollten ebenso gefördert werden und Eltern sollen Zeit haben in der Freizeit ihrer Kinder. Bauer weiß aus seiner Forschung, dass Kinder und Jugendliche auf der Suche sind "nach einer Auskunft über sich selbst". Die Ausstrahlung der Erwachsenen erzeugt bei Kindern und Jugendlichen Resonanz, die kann das Kind "anstecken" im positiven wie negativen Sinn. "Das Kind nimmt wahr, wie es sich im Erwachsenen spiegelt", sagt Bauer. Diese Spiegelung mündet zum Beispiel in "Forderungen" wie: Lass mich spüren, dass Du weißt, dass es mich gibt. Zeige mir, wer ich bin und wo meine guten und schwachen Seiten liegen. Sage mir, ob Du daran glaubst, dass aus mir etwas werden kann! Zeige mir, dass Du mir etwas zutraust.



Professor Bauer stellt in seiner Zusammenfassung noch einmal klar: Kinder reagieren neurobiologisch auf Beziehung und soziale Akzeptanz. Es gibt keine Motivation ohne Beziehung. Ausgrenzung, Kränkung und Kampf um Anerkennung sind Auslöser für Aggression. Pädagogen sollen deshalb verstehen und führen. Es muss in der Pädagogik eine "Renaissance der Beziehung" herbeigeführt werden.

Schulleiterin Gabriele Rückert, die den Abend im Schwörsaal eröffnete, beschloss diesen auch mit herzlichem Dank an Professor Joachim Bauer. Der Stiftung Vogthaus sagte sie Dank für die Unterstützung bei der Realisierung des Vortrages. Gabriele Rückert zeigte sich beeindruckt von dem großen Interesse der annähernd 400 Bürger, die den Weg in den Schwörsaal gefunden hatten. Für ihre Schule sei der Vortrag zudem eine gelungene Basis für den anstehenden Pädagogischen Tag am 17. Februar.

Text und Fotos: (stb)

Homepage | Terminübersicht | Aktuelles | Konzeption | Aktionen | Rundgang | unicef | Schüler | Eltern | Förderverein | J.B.von Hirscher | Bodnegg | Kontakte | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü